09.09.2026

Stuttgart 21

Das Bahnprojekt Stuttgart 21 steht beispielhaft für einen modernen, innerstädtischen Schienenknoten der Zukunft. Sein Herzstück, der neue Durchgangsbahnhof, ist ein komplexer Ingenieurbau, bei dem große Tragwerke und technische Details gleichermaßen über die Qualität im späteren Betrieb entscheiden.

Bei der Leube Gruppe taucht das Projekt seit Jahren immer wieder auf: als Referenz, als technischer Kontext und als Beispiel dafür, wie komplex Bahninfrastruktur heute gebaut wird. Der neue unterirdische Durchgangsbahnhof ersetzt den bisherigen Kopfbahnhof. Züge fahren künftig durch, anstatt zu wenden. Das organisiert den Stuttgarter Bahnknoten grund-legend neu, erhöht die Kapazität, verkürzt Fahrzeiten und verändert die Logik des Bahnhofs. Gleichzeitig entstehen über dem bisherigen Gleisfeld neue Stadträume. Neben seiner verkehrlichen und städtebaulichen Bedeu-tung ist der neue Bahnhof auch ein hoch anspruchsvolles Trag-werksprojekt. Der Entwurf stammt von ingenhoven associates, das Tragwerk wurde unter anderem vom Büro Werner Sobek geplant. Die weit gespannte Halle mit ihren markanten Kelch-stützen trägt Lasten, überspannt große Flächen und führt Tageslicht in alle Bereiche des unterirdischen Raums. Damit steht der Bahnhof auch für einen Ingenieurbau, der Material, Form und Funktion präzise miteinander verbindet. Im Gespräch mit Gerhard Thaler, Geschäftsführer der Leube Betonteile GmbH & Co KG, verschiebt sich der Blick auf einen anderen Maßstab: den späteren Betrieb. Thaler war an der Umsetzung des Leube-Gleisabsorber-Systems in Stuttgart beteiligt und kennt die Anforderungen an der Schnitt-stelle zwischen Planung, Gestaltung, Fertigung und Einbau. Gerade bei Infrastrukturprojekten zeigt sich Qualität nicht nur in der großen Tragstruktur, sondern auch im Detail. Beton bleibt dabei ein zentraler Werkstoff: belastbar, lang-lebig, widerstandsfähig. Beim Gleisabsorber-System der Leube Gruppe kommt ein offenporiger Einkornbeton mit vielen Hohl-räumen und konische Vertiefungen zum Einsatz. Schallwellen dringen in diese Struktur ein; die Schallenergie wird durch mik-roskopische Reibung in Wärme umgewandelt. So werden Re-flexionen im Gleisbereich reduziert und die akustische Qualität des Bahnhofs verbessert. In der Bahnhofshalle nehmen die Schallabsorber eine Fläche von rund 12.000 Quadratmetern ein. Damit bilden sie die größte Akustikmaßnahme der Halle.Es gibthorizontale und vertikale Ele-mente: Die horizontalen Schallabsorber liegen im Gleisbett, die vertikalen Elemente werden an der Bahnsteigkante montiert. EinePlatte wiegt rund 600 Kilogramm. Die Montage erfolgte Schritt für Schritt, pro Tag wurden etwa 60 Platten verlegt. Die Schallabsorber wurden eigens für den Stuttgarter Hauptbahnhof entwickelt. Dabei musste auch die Bahn-technik berücksichtigt werden. In der Halle befinden sich knapp 300 Balisen, auch Eurobalisen genannt. Diese kleinen, kastenförmigen Sender sind zwischen den Schienen im Gleis-bett montiert und übertragen präzise Informationen von der Strecke auf den Zug. Dafür wurden in den Schallabsorbern an den passenden Stellen Aussparungen vorgesehen. So bleibt die technische Ordnung des Bahnbetriebs erhalten, während die Elemente zugleich industriell gefertigt und mon-tiert werden können. Stuttgart 21 zeigt damit etwas Grundsätzliches: Große Infrastruktur entscheidet sich nicht nur in großen Entwürfen, sondern in technischen Lösungen, die im Betrieb funktionieren müssen. Die Bewährungsprobe beginnt mit den Testfahrten.

 

     Stuttgart 21 in Zahlen

  • 4 neue Bahnhöfe
  • rund 100 Kilometer neue Gleise
  • 56 Kilometer Tunnelröhren 
  • 42 Brückenbauwerke 
  • 8 Zu- und Abführgleise 
  • 6 Minuten vom Hauptbahnhof zum Flughafen statt bisher 27 Minuten 
  • rund 100 Hektar frei werdende Fläche 
  • Kelchstützen mit bis zu rund 800 Kubikmetern Beton und 350 Tonnen Stahl pro Stütze

    Quelle: deutschebahn.de

    Schallabsorber von Leube

    12.000 Quadratmeter Schallabsorber verlegt 

    ca. 600 Kilogramm pro Platte

    rund 60 Platten pro Tag montiert 

    eigens für den Stuttgarter Hauptbahnhof entwickelt

     

    Architekturbüro ingenhoven associates

    Gegründet 1985 von Christoph Ingenhoven in Düsseldorf. International bekannt für nachhaltige Architektur, Hochhäuser, öffentliche Bauten und urbane Infrastruktur. Referenzen: Marina One Singapur, Kö-Bogen II Düsseldorf, 1 Bligh Street Sydney und der neue Stuttgarter Hauptbahnhof. Für Stuttgart 21 gewann Christoph Ingenhoven 1997 den internationalen Wettbewerb.

    Ingenieurbüro Werner Sobek

    Gegründet 1992 in Stuttgart. International tätiges Büro für Tragwerksplanung, Fassadenentwicklung und integrale Gebäudeplanung. Referenzen: R128 Stuttgart, Flughafen Bangkok-Suvarnabhumi, Sony Center Berlin und Testturm Rottweil. Bei Stuttgart 21 steht Sobek für die konstruktive Präzision der weit gespannten Bahnhofshalle.

    Gleisabsorber-System Leube

    Die Porenbeton-Elemente aus dem Werk Maishofen wurden projektspezifisch für Stuttgart 21 neu entwickelt. Sie bestehen aus offenporigem Einkornbeton und werden zwischen den Schienen sowie seitlich neben dem Gleis verbaut. Dort reduzieren sie Schall direkt an der Quelle und verbessern die Raumakustik in der Bahnhofshalle. Im Bahnsteigbereich übernehmen vertikale Elemente eine zusätzliche Funktion: Sie integrieren Trittstufen für den sicheren Ausstieg aus dem Gleisbereich. Damit verbindet das Gleisabsorber-System akustische Wirkung, bahntechnische Anforderungen und funktionale Sicherheit in einem Bauteil.