Sparen an Masse
Wie kann man ein Wohnhaus bauen, das deutlich weniger Material verbraucht – und trotzdem höchsten Ansprüchen an Qualität, Komfort und Sicherheit gerecht wird? Die Salzburg Wohnbau zeigt in Hallein, wie das funktionieren kann: Allein bei der Deckenkonstruktion werden rund 34 Prozent Beton eingespart – ohne Abstriche bei Stabilität oder Qualität.
Die Salzburg Wohnbau zeigt in Hallein, dass genau das möglich ist. In der Salzstadlstraße entsteht derzeit ein Mehrfamilienhaus mit 28 geförderten Mietwohnungen, das zum Forschungs- und Innovationsprojekt REDUCE25 gehört. Das Ziel: den Materialeinsatz im Wohnbau um rund 25 Prozent reduzieren – ohne Kompromisse bei Stabilität, Wohnqualität oder Gestaltungsmöglichkeiten.
SCHLAUER STATT SCHWERER
Was zunächst nach einem Widerspruch klingt, wird hier zur gebauten Realität. „Das Material, das wir nicht brauchen, ist das Beste“, bringt Geschäftsführer der Salzburg Wohnbau Thomas Maierhofer den Ansatz auf den Punkt. Doch weniger Material bedeutet in Hallein keineswegs weniger Leistung. Im Gegen teil: Hinter dem Projekt steckt ein hochpräzise abgestimmtes Zusammenspiel aus intelligenter Planung, innovativen Bau stoffen und digitalen Fertigungsmethoden. Schon in der frühen Planungsphase wurde das gesam te Gebäude konsequent auf Ressourcenschonung ausgelegt. Nicht einzelne Bauteile standen im Fokus, sondern das Ge samtsystem Gebäude. Wo lässt sich Material einsparen, ohne die Tragfähigkeit zu beeinträchtigen? Welche Baustoffe re duzieren den ökologischen Fußabdruck? Und wie können Prozesse effizienter werden?
Eine der spannendsten Antworten darauf findet sich in den Decken des Gebäudes. Denn REDUCE25 ist österreichweit das erste mehrgeschoßige Wohnbauprojekt mit einer 3D-gedruckten Betondecke. Kernstück der Innovation sind speziell entwickelte Aussparungskörper, die mit dem soge nannten BauMinator-3D-Druckverfahren produziert werden. Diese Elemente werden direkt in die Ortbetondecke integ riert und erzeugen gezielt Hohlräume dort, wo statisch we niger Material benötigt wird.
LÖCHER MIT WIRKUNG
Das Prinzip dahinter ist ebenso einfach wie wirkungs voll: Beton kommt nur dort zum Einsatz, wo er tatsächlich gebraucht wird. Die Auswirkungen sind enorm. Durch die neue Deckenkonstruktion reduziert sich der Betonverbrauch um rund 34 Prozent – konkret um etwa 94 Kubikmeter. Das ent spricht der Ladung von rund 14 Betonmischwagen. Gleich zeitig sinkt der Einsatz von Bewehrungsstahl um etwa 26 Prozent beziehungsweise knapp zwölf Tonnen. Und obwohl deutlich weniger Material verbaut wird, blei ben Stabilität, Sicherheit und Funktionalität vollständig erhal ten. Die Einsparungen wirken sich unmittelbar auf die Klima bilanz aus: Allein durch die optimierte Deckenkonstruktion werden rund 21 Tonnen CO₂ vermieden – ungefähr so viel, wie eine sechs Hektar große Waldfläche pro Jahr binden kann.
Der Leube GreenTech KOMBI ZEMENT CEM II/C kommt auf einen bis zu 25 Prozent geringeren CO₂ Fußabdruck als vergleichbare Standardzemente. Möglich wird das durch einen reduzierten Klinkeranteil. Mit weniger als 350 Kilogramm CO₂ pro Tonne liegt der Zement deutlich unter dem EU-Taxonomie-Wert von 469 Kilogramm CO₂ pro Tonne. Seit der Markteinführung wurden mehr als 226.000 Tonnen verkauft. Das entspricht einer Einsparung von rund 19.000 Tonnen CO₂.
KLIMAFREUNDLICHER BETON ALS NÄCHSTER SCHRITT
Doch nicht nur die Konstruktion selbst wurde neu gedacht. Auch bei den Baustoffen setzte das Projekt auf konsequente Innovation. Gemeinsam mit Leube und Deisl Beton kommt beim Bau ein CO₂-reduzierter Leube GreenTech Kombi Zement zum Einsatz, der pro Tonne bis zu 25 Prozent weniger Emissionen verursacht als herkömmliche Varianten. Allein durch diese Entscheidung konnten bei der aus geschriebenen Betonmenge rund 50 Tonnen CO₂ eingespart werden. Für Leube Geschäftsführer Heimo Berger ist das Projekt ein wichtiges Signal für die gesamte Branche: „Wenn nachhaltige Baustoffe bereits in Ausschreibungen verankert werden, können wir gemeinsam den CO₂-Fußabdruck im Bau wesen massiv reduzieren, und kommen so dem Ziel der Kli maneutralität gemeinsam näher.“ Zusätzlich kommen weite re ressourcenschonende Baustoffe wie futureBloc und Recycling Beton zum Einsatz. Sie verbinden gute Dämm- und Wohneigenschaften mit einem reduzierten ökologischen Fußabdruck und passen perfekt zum ganzheitlichen Nach haltigkeitsansatz des Projekts.
WOHNBAU MIT WEITBLICK
Das Besondere an REDUCE25 ist dabei nicht nur die ein zelne technische Innovation. Entscheidend ist das Zusam menspiel aller Beteiligten: Bauträger, Planer, Bauunternehmen und Industriepartner arbeiten hier eng zusammen, um neue Lösungen in die Praxis zu bringen. Das Ergebnis ist kein expe rimenteller Prototyp, sondern ein vollwertiges Wohngebäude mit hoher Wohnqualität, langlebiger Konstruktion und klarer architektonischer Qualität. Oder anders gesagt: In Hallein wird gezeigt, wie der Wohnbau der Zukunft aussehen kann – intel ligenter, ressourcenschonender und klimafreundlicher. Ohne auf das zu verzichten, was gutes Wohnen ausmacht.