30.07.2026

Lärmschutzwand mit Identität

Wenn Infrastruktur nicht nur Schall reduziert, sondern auch Landschaft, Akzeptanz und Gestaltung mitdenken muss.

Lärmschutzwände gehören zu den funktionalsten Bauteilen im Infrastrukturbau. Ihre Aufgabe ist klar definiert: Schall reduzieren, Anrainer schützen, technische Vorgaben erfüllen. Gestaltung ist dabei meist nicht vorgesehen.
Im Abschnitt Müllheim–Auggen entlang der Rheintalbahn wurde genau dort angesetzt. Auf rund sechs Kilometern entsteht im Zuge des Aus- und Neubaus Karlsruhe– Basel ein Lärmschutzsystem mit 23.000 m² Lärmschutzwand,
davon rund 17.000 m² großteils hochabsorbierende Holzbetonwände.Ergänzt wird der Abschnitt durch acht neue Gleisanlagen und zwölf Brückenbauwerke. 
Bauherr des Projekts ist die Deutsche Bahn. Die Generalplanung im Abschnitt Müllheim–Auggen übernahm Mailänder Consult GmbH. Die Umsetzung der vorgefertigten Holzbeton- Lärmschutzsysteme erfolgte durch Leube Betonteile GmbH & Co KG in Maishofen.
 

GESTALTUNG UNTER TECHNISCHEN VORGABEN 

Die Planung der Lärmschutzmaßnahmen begann 2019. Parallel zu den technischen Abstimmungen mit der Deutschen Bahn wurde ein Dialogprozess mit Gemeinden und Anrainer:innen gestartet. Dabei ging es nicht nur um Information,
sondern auch um Akzeptanz und Einbindung. „Unser Ziel war es, den Lärmschutz nicht als Fremdkörper, sondern als Teil der Landschaft zu gestalten“, sagt Francisco Morcelo, verantwortlicher Architekt des Projekts.
Die gestalterische Leitidee orientiert sich an der Landschaft des Markgräflerlands. Topografie, Vegetation, geologische Schichtungen und die Struktur der Rebenlandschaft wurden in Reliefs, Farbverläufe und modulare Oberflächen übersetzt. Besonders im Bereich des Haltepunkts Auggen greifen hohlwellige Holzbetonelemente die Struktur der Weinberge auf. Grün-, Gelb- und Rottöne sowie glatte graue Flächen übersetzen Wege, Schneisen und Hangverläufe in ein bauliches System.
 

Planungsbeginn, Werkstätten und Dialogprozess: seit 2019

Streckenabschnitt Müllheim–Auggen: 6 km
Teil des Aus- und Neubaus der Rheintalbahn
8 neue Gleisanlagen für Nah- und Güterverkehr
12 neue Brückenbauwerke
rund 23.000 m² Lärmschutzflächen, davon rund 17.000 m² hochabsorbierende Holzbetonwände

1.400 lfm Aufsatz-Elemente
Umfassende Modernisierung des Bahnhofs Müllheim (Baden)

Ergänzende ökologische Maßnahmen wie
Wildtierdurchlässe und Artenschutzprogramme


VORFERTIGUNG ALS PRÄZISIONSARBEIT

Technisch entscheidend war der hohe Vorfertigungsgrad. Die eingesetzten Holzbetonelemente verbinden akustische Wirksamkeit mit gestalterischer Präzision. Reliefstrukturen,
Farbigkeit und Sonderdetails mussten industriell gefertigt und in ein hochstandardisiertes Bahninfrastrukturprojekt integriert werden. 
Für Gerhard Thaler lag die Herausforderung darin, gestalterische Anforderungen, akustische Eigenschaften und industrielle Vorfertigung in einem reproduzierbaren System
zusammenzuführen. Genau darin liegt der Unterschied zu klassischen Lärmschutzsystemen: Standardisierung bleibt, Gestaltung wird Teil des Bauteils.
Der Abschnitt Müllheim–Auggen zeigt, dass Infrastruktur mehr leisten kann, als technische Anforderungen zu erfüllen. Sie prägt Räume über Jahrzehnte. Umso entscheidender ist ihre Ausführung: Sie bestimmt mit, ob ein Bauwerk als
Fremdkörper wahrgenommen wird oder als Teil der Landschaft.
 

Gerhard Thaler ist Geschäftsführer der Leube Betonteile GmbH & Co KG
und verantwortet die operative und strategische Entwicklung des
Unternehmens. Gemeinsam mit seinemTeam initiiert und begleitet er
Großprojekte von der Idee bis zur erfolgreichen Realisierung.
 

"Wir haben Lärmschutz nicht nur wirksam, sondern auch mit hohem
gestalterischen Anspruch in die Landschaft integriert."
(Gerhard Thaler, Geschäftsführer der Leube Betonteile GmbH & Co KG)